Für die Süddeutsche gibt Stefan Raab ein lustiges, unterhaltsamen, bisweilen sehr bissiges Interview. Im Fernsehen ist er nach wie vor ein langweiliger bis unfähiger Moderator (man sehe sich nur mal an, wie Christoph Maria Herbst Raab am laufenden Band in dessen eigener Sendung versemmelt.) Das ist nicht schlimm, aber ich vermisse die Spannung bei den deutschen Talkern. Raab kann anderes, wie skurrile Formate ausdenken, sehr gut. Nur eine Night-Show hosten, das kann er nicht.
Jedenfalls nicht, wenn man ihn mit der Qualität anderer (US-amerikanischer) Hoster vergleicht. Ich liebe diese Nightshows von Letterman, Leno, Conan, Jon Stewart, Colbert oder Kimmel. Unglaublich, was da am späten Abend abgefeiert wird. Nicht langweilige und auch nicht banale Komik. Dazu geistreiche, manchmal auch politische, Anekdoten-gespickte und häufig geschauspielerte Interviews mit den Gästen. Kein Vergleich zu dem Geschwafel von Raab (auf Comedy-Acts aus Deutschland will ich da schon erst gar nicht zu sprechen kommen). Für politisch anspruchsvolle Komik gibt es bei uns nur Kabarett. Aber wo sind Leute, die das mit einem ansprechenden Format im Fernsehen austreten könnten? Harald Schmidt war so ein einer. Aber der hat das auch zu wenig ausgespielt. Und Nachahmer hat er auch nicht in seinen Bann gezogen. Schade.



